Grüne Ideen, schwarze Zahlen

November 2021 | Wirtschaftswoche | Green Economy

Grüne Ideen, schwarze Zahlen

Der Green Startup Monitor zeigt: Klima- und Umweltschutz scheinen in der jungen Gründergeneration mehrheitsfähig zu werden. In manchen Branchen verfolgt sogar die Mehrheit aller Start-ups ökologische Ziele.

Illustration: Andres Muñoz Claros
Sarah Kröger / Redaktion

Doch sie haben mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen.

 

Sie stellen klimaneutral produzierte Trinkflaschen aus Glas her, Verpackungsmaterial aus Pflanzenresten oder essbares Besteck. Sie begrünen Dächer im urbanen Raum, entwickeln Software für Mikrokredite in der Landwirtschaft und nutzen Server-Abwärme zum Heizen. Grüne Start-ups wollen nicht nur wirtschaftliche Erfolge erzielen, sondern auch Lösungen für ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen anbieten. 30 Prozent aller deutschen Start-ups sind, dem Green Startup Monitor 2021 zufolge, grün – die Tendenz ist steigend.


Mit dabei sind längst nicht nur Unternehmen aus der Energiebranche. Der größte Anteil ist in der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche tätig (22 Prozent), mit etwas Abstand folgen Nahrungsmittel (11 Prozent) und Konsumgüter (10 Prozent). In manchen Branchen, wie Landwirtschaft, Energie oder Textilien, stellen grüne Start-ups sogar die Mehrheit. Das gibt ihnen die Chance, den sozialökologischen Wandel maßgeblich zu beeinflussen. Denn grüne Start-ups können grundlegende Umweltinnovationen am Markt einführen, erklärt David Hanf, stellvertretender Präsident des Bundesverband Deutsche Startups: „Sie haben deshalb als Motor einer nachhaltigen Transformation eine Schlüsselfunktion.“


Doch grüne Jungunternehmen haben Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung, nicht-grüne Start-ups hingegen sind damit seltener konfrontiert. Ein Grund dafür könne sein, dass viele auf Hightech-Innovationen setzen, sagt die Co-Autorin des Monitors, Yasmin Olteanu, im Interview mit der Frankfurter Rundschau: „Sie brauchen Hardware, Maschinen, einen Ort, an dem sie produzieren können. Dadurch steigt im Vergleich zu digitalen Start-ups der Kapitalbedarf.“ Die größte Lücke klafft bei der Venture-Capital-Finanzierung: 42 Prozent der grünen Start-ups wünschen sich eine solche Finanzierung, aber nur 16 Prozent haben bereits Venture-Capital erhalten.

 

Grüne Start-ups kämpfen immer noch mit dem Vorurteil, dass ihre Nachhaltigkeit auf Kosten der Rendite geht. Dieses Imageproblem wirkt sich wahrscheinlich auch auf die Investmentbereitschaft aus. Deswegen würden manche sogar „Greenhushing“ betreiben, berichtet Yasmin Olteanu. „So nennen wir es, wenn sie den ökologisch-sozialen Wirkungsaspekt ihres Geschäftsmodells gegenüber Investoren herunterspielen. Sie wollen damit gar nicht erst den Eindruck entstehen lassen, dass ihnen die klassischen ökonomischen Zielgrößen nicht wichtig genug seien.“ Damit grüne Gründungen sich auch auf lange Sicht etablieren können, fordert der Green Startup Monitor den Aufbau einer Förderlinie Sustainability und den Ausbau der staatlichen Venture-Capital-Finanzierung.


Bei der Vermarktung ihrer Produkte und Dienstleistungen scheinen grüne Start-ups übrigens besser aufgestellt: Nur 63 Prozent sehen Vertrieb und Kundengewinnung als Herausforderung an, im Gegensatz zu 70 Prozent der nicht-grünen Start-ups. Auch die Gründerinnenquote (19 Prozent) ist seit Jahren deutlich höher als bei den klassischen Start-ups (16 Prozent). Der Nachhaltigkeitsfokus der Green Economy scheint für Unternehmerinnen besonders attraktiv zu sein.