Europa der Chancen

September 2021 | Handelsblatt | Zukunft Deutschland

Europa der Chancen

Deutschland ist Teil einer Gemeinschaft der Vielfalt, der Ideen, des guten Lebens: Europa. Ein perfekter Ort, um Wohlstand, Wachstum und Nachhaltigkeit zu vereinen. Solange seine Menschen seine Werte schätzen und verteidigen.

Illustration: Agata Sasiuk
Olaf Strohm / Redaktion

In der Europäischen Union leben mehr als eine halbe Milliarde Menschen. Deutschland ist mit etwas über 80 Millionen Menschen der größte Mitgliedsstaat, gefolgt von Frankreich. Seit das Vereinigte Königreich aus der EU ausgetreten ist, stellt Italien den drittgrößten Bevölkerungsanteil. Die EU ist einst als Wirtschaftsraum gestartet. Heute ist sie viel mehr als das. Die Mehrheit der hier lebenden Menschen teilt gemeinsame Werte und sieht sich als Mitglied einer starken Gemeinschaft, die aufgrund ihrer Stärke in der Lage ist, ihre Interessen gegenüber anderen Staaten und der Weltgemeinschaft geltend zu machen. Gemeinsame Werte, gemeinsame Ziele, dabei eine Vielfalt von Menschen, Sprachen und Kulturen, die weltweit ihresgleichen sucht: Wäre Europa ein Start-up, hätte es die besten Voraussetzungen für den maximalen Erfolg.

 

Friedlich, menschlich und demokratisch
Welche Werte vertreten am besten die Europäische Union? Danach wurden EU-Bürger im März 2018 im Rahmen der Eurobarometer-Umfrage befragt. 39 Prozent der Befragten nannten dabei „Frieden“ an erster Stelle. Darauf folgten die Werte „Menschenrechte“ mit 33 Prozent, „Demokratie“ 32 Prozent. Es folgten die Werte „Rechtsstaatlichkeit“ und „Solidarität“ mit 22 und 18 Prozent. Auch „Respekt gegenüber menschlichem Leben“, „Freiheit des Einzelnen“, „Respekt gegenüber anderen Kulturen“, „Gleichheit“ und „Toleranz“ zählten für viele Befragte zu den drei Werten, die am besten die EU repräsentieren.

 

Europäisch heißt vielfältig
2018 gab in allen EU-Mitgliedstaaten erstmals seit 2010 wieder eine Mehrheit der Bürger an, sieht sich als EU-Bürger zu fühlen. Insgesamt teilten 70 Prozent der Befragten EU-Bürger dieses Gefühl. Zugleich sieht eine Mehrheit der Europäer, nämlich 55 Prozent, in erster Linie als Bürger des eigenen Landes und dann als Bürger der EU. Werden die Umfrageteilnehmer danach gefragt, welche Faktoren maßgeblich zum Gefühl einer europäischen Bürgerschaft beitragen, nannten von den Befragten 29 Prozent „Kultur“. „Geschichte“ und „Werte“ waren 2018 für jeweils 23 Prozent der Befragten am wichtigsten für die Erzeugung eines Gemeinschaftsgefühls bei den EU-Bürgern.

 

Stabile Bevölkerung
Laut UN Department of Economic and Social Affairs wird sich die Weltbevölkerung in den Jahren 2015 bis 2050 um 32,4 Prozent erhöhen. Europa ist dabei die einzige Region der Welt, für die in diesem Zeitraum eher ein leichter Bevölkerungsrückgang angenommen wird (minus 3,4 Prozent). In den 28 Mitgliedstaaten der EU lebten 2017 rund 511,5 Millionen Einwohner. Die fünf bevölkerungsreichsten EU-Staaten waren Deutschland (82,5 Millionen), Frankreich (67 Millionen), das Vereinigte Königreich (65,8 Millionen), Italien (60,6 Millionen) und Spanien (46,5 Millionen).  

 

mittelständisch geprägt
EU-weit erhöhte sich das BIP zwischen 2009 und 2017 um 24,5 Prozent. Im Jahr 2017 entfiel gut die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union auf lediglich drei Staaten: Deutschland, das Vereinigte Königreich und Frankreich. Zum anderen lag der Anteil der zehn Staaten mit dem niedrigsten BIP innerhalb der EU bei lediglich 2,6 Prozent. Weit über dem Durchschnitt lag das Wachstum dabei in Malta (81,5 Prozent), Irland (72,9 Prozent) und Estland (66,9 Prozent). Griechenland war das einzige EU-Land, in dem sich das BIP in diesem Zeitraum reduzierte (minus 25,2 Prozent). Unter dem EU-Durchschnitt verlief die Entwicklung in Zypern, Spanien, Kroatien, Italien und Portugal.

 

Ausgeglichene Handelsbilanz
Im Jahr 2017 entfielen vom Warenexport der Mitgliedstaaten der Europäischen Union 36,0 Prozent auf den Export in Staaten außerhalb der EU. Bei den Einfuhren stammten 36,2 Prozent aus Staaten außerhalb der EU. Der Extra-EU-Export lag bei 1.879 und der Extra-EU-Import bei 1.859 Milliarden Euro – die EU hatte demnach eine nahezu ausgeglichene Handelsbilanz. Von 2003 bis 2012 war die Handelsbilanz der EU noch negativ – Jahr für Jahr wurden mehr Waren importiert als exportiert. Die USA waren mit 20 Prozent aller EU-Exporte, China mit 10 Prozent und die Schweiz mit 8 Prozent die wichtigsten Absatzmärkte der EU. Die meisten Waren kamen aus China (20,2 Prozent), den USA (13,8 Prozent) und Russland (7,8 Prozent) in die EU.

 

Steuerlich ausgewogen
In allen 23 vom BMF betrachteten europäischen Staaten ist bei der genannten Konstellation die Abgabenlast der Familien geringer als die der Alleinstehenden – in Deutschland liegt die relative Entlastung bei minus 31,5 Prozent. Die zusammenfassende Abgabenquote war im Jahr 2017 in Frankreich am höchsten. Sie entsprach 48,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Es folgten Belgien mit 47,3 Prozent und Dänemark mit 46,5 Prozent. Am niedrigsten war die Abgabenquote in Irland (23,5 Prozent), Rumänien (25,8 Prozent) und der Schweiz (28,5 Prozent). Die Abgabenquote in Deutschland lag 2017 bei 40,5 Prozent des BIP.

 

Vorteilhaft für EU-Bürger
Welches sind die positivsten Errungenschaften der Europäischen Union? Danach befragt, plädierten mehr als die Hälfte der EU-Bürger für den „freien Verkehr von Personen, Gütern und Dienstleistungen innerhalb der EU“ sowie für den „Frieden zwischen den Mitgliedstaaten der EU“ (58/54 Prozent). Diese Errungenschaften werden von den Europäern seit Jahren als die mit Abstand größten Errungenschaften der EU angesehen. Jeweils etwa ein Viertel der Befragten wählte „Studentenaustauschprogramme wie ERASMUS“  und den „Euro“ als die positivsten Errungenschaften der EU, dann folgten „die Wirtschaftskraft der EU“ und „der politische und diplomatische Einfluss der EU im Rest der Welt“.

 

Das Eurobarometer
Die Daten stammen vom Eurobarometer, einer in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene, öffentliche Meinungsumfrage in den Ländern der Europäischen Union. Dabei wird in allen Ländern eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung befragt. Die letzte Befragung fand im Frühjahr 2018 statt. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)